BIOGRAFISCHE NOTIZEN

Anfänge und Studienzeit

Aufgewachsen in der kleinen ländlichen Gemeinde in Metzkausen (Ortsteil Hassel) bei Mettmann/Düsseldorf als 4. Kind von später insgesamt 7 Kindern. Sein Vater Karl Korn war Bankdirektor bei der Dresdner Bank in Düsseldorf.

In der Volksschule war Karl-Heinz ein stiller Schüler, der aber eine besondere Aufnahme- und Lernbereitschaft mit sich brachte. Eine Lehrerin stellt einmal fest: im Unterricht nimmt er kaum aktiv am mündlichen Unterricht Teil, dabei trägt er das ganze Wissen seiner Klasse in seinem Kopf mit sich herum. In seinen Arbeiten schnitt er immer sehr gut ab.

Von einem Arbeitskollegen seines Vaters (Herr Weidich) bekommt er eine Steinesammlung geschenkt, die er sorgsam systematisiert und z.T. durch eigene Fossilfunde ergänzt, die er in einem nahegelegenen Steinbruch bei Heiligenhaus aufsammelt: versteinerte Korallen und Pflanzenspuren werden im Laufe der Zeit in einigen Hundert Zigarrenkisten gesammelt. Wie sind die Steine und Versteinerungen entstanden mag ein der vielen brennenden Fragestellungen gewesen sein. Karl-Heinz besorgt sich erste Enzyklopädien zur Erforschung des Kosmos und der Entwicklung des Lebens auf der Erde. Zusammenhänge bilden, Bausteine erkennen, das fasziniert ihn. Er lernt die Namen und deren dazugehörigen Hauptstädte aller Länder der Erde auswendig, schaut dem Vater beim kirchlichen Orgelspielen zu und beginnt mit kurzem Unterricht auch nach Noten auf einem kleinen elektrischen Harmonium zu spielen (Prelude von Bach u.a.). Aus dem kleinen Ort Metzkausen war der Weg in die weite Welt noch sehr weit, aber mit Briefmarken kann man auch etwas darüber erfahren, dachte Karl-Heinz und baute eine Sammlung auf, die er bis zu seinem Tod immer wieder erweiterte.

(Steinesammlung, Foto: Andreas Korn; Buchbeispiel aus Karl-Heinz wissenschaftsgeschichtlicher Lektüre; Lincoln Barnett: Die Welt in der wir leben. Die Naturgeschichte unserer Erde. München: Bertelsmann 1956)

Was Karl-Heinz früh entdeckt, das sind alle erdenklichen Arten von Lesestoff, schnell geht er von Kinder- und Jugendliteratur (wie damals beliebte Bücher von Enid Blyton) über mit neugierigen Zugriffen auf das väterliche Buchregal, bis sein Vater ihn in ein Buchladen mitnimmt und ihn mit dem Material versorgt, was er gerne lesen möchte (Bände zur Kunstgeschichte hatten es ihm damals besonders angetan). Eine Entdeckungsreise beginnt und nimmt ihn mit auf seinen Weg. Als Primaner belegt Karl-Heinz Abendkurse und lernt neben den Schulaufgaben eifrig Russisch, das Lernen dieser fremden Sprache fällt dem sprachbegabten jungen Mann nicht schwer. Auch kommen Schreibmaschinen- und Stenokurse hinzu, die ihm Rüstzeug für spätere Studienzeiten und Dokumentationen liefern. Als Primaner verfügt Karl-Heinz schon über eine respektvolle kleine Bibliothek, die aus mehreren Bücherregalen besteht und die er bereits mit einem Register und Nummerierung versehen hatte.

(Abb. Namensstempel, Karl-Heinz 1965 – im Zimmer lesend; Foto aus dem Privatarchiv)

Nach dem Abitur am Konrad-Heresbach Gymnasium zu Mettmann (1972) wird Karl-Heinz zur Bundeswehr einberufen. Er ist froh, als er sich schon im 1. Oktober 1973, das war etwa 3 Monate vor seiner Entlassung, an der Universität Köln für Romanistik und Slawistik einschreiben kann. Eine Zeit der intellektuellen Kommunikation beginnt und ein großer Schritt in Studienprojekte. Er ist ein sehr eifrig Studierender, das fällt auch den Professoren auf. Schließlich fragt man ihn, ob er seine Studienfächer nicht erweitern möchte, um das Spektrum slawischer und romanischer Sprachen zu erweitern. Nicht viele hätten diese Schwerpunkte, die auch eine Perspektive für eine spätere Lehre (Professur) an einer Hochschule bilden könne. Darauf lässt er sich ein und nimmt neben weiteren Sprachen zudem noch Germanistik hinzu. Aber ist er wirklich gut dabei beraten und wird er auch wirklich von den Professoren unterstützt? Das kann hier nicht beantwortet werden, jedenfalls gelingt es Karl-Heinz nicht, sich in der Fülle der Fächer auf einen Abschluss zu konzentrieren. Magister und Staatsexamen bleiben aus.

Karl-Heinz Korn um 1975 in seiner Studentenwohnung im Severins-Veedel,
Blick in den Hinterhof (Foto aus dem Privatarchiv)

Karl-Heinz Korn war 1982 als studentische Hilfskraft im slawischen Institut bei Prof. Dr. Wolfgang Kasack beschäftigt. Dann passiert etwas Unvorhergesehenes, wie der Journalist, ehemaliger Intendant des WDR und Ehrenvorsitzende des Kopelew Forums Fritz Pleitgen in seiner Trauerrede anmerkte: der Slawistik Professor fragte seine Studierenden, ob jemand Interesse hätte mit dem ausgebürgerten russischen Germanisten Lew Kopelew (1912-1997) bei seinem Start in Deutschland mitzuarbeiten. Karl-Heinz zögerte nicht lange und sagte zu. Ihm war sicherlich nicht klar, was dies für einen Wendepunkt bedeutete, aber ihm war schnell bewusst, dass er sein Studium nicht mehr weitermachen wollte.

(Andreas Korn, 8/2020)

FOTO-STRECKE (Auszüge aus seinem Familien Fotoalbum, letzte Aufnahmen dieses Albums im Jahr 1978)