Wuppertaler Projekt

Zusammenarbeit mit Lew Kopelew (1982-1997)

Lew Kopelew und Karl-Heinz Korn
(Foto mit freundlicher Freigabe: Roland Scheidemann 1983)

Der regimekritische Lew Kopelew stand im regen Austausch mit Heinrich Böll, der ihn nach Deutschland einlud. Zwar konnte das Ehepaar noch im November 1980 in die BRD reisen, die Spannungen mit der russischen Regierung auch bedingt durch Kopelews Einsatz für Andrei Sacharow führten jedoch zu dessen Ausbürgerung. Über die USA konnten sich die Kopelews aber in Köln eine neue Heimat aufbauen. Über den slawischen Philologen Prof. Dr. Wolfgang Kasack von der Universität Köln entstand der Kontakt von Karl-Heinz Korn und Lew Kopelew.

Die Kopelews wohnten in der Neuenhöfer Allee in Köln; im gleichen Haus lebte auch der Fernsehjournalist Gerd Ruge. 1981/82 begann Kopelew damit, sein Netzwerk zu erneuern und mit Unterstützung von Karl-Heinz Korn, Mechtildis Roth, Brigitte Segschneider Brückner (ab 1984) sowie Maria Klassen (ab 1987) seine literarische Arbeit in Gang zu bringen. Man nannte das Team auch „Politbüro“.

Über die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) wurde unter der Leitung von Lew Kopelew an der Bergischen Gesamthochschule Wuppertal das Forschungsprojekt „Deutsch-Russische Fremdenbilder“ initiiert. Über viele Jahre gingen daraus umfangreiche Veröffentlichungen hervor (vgl. die Bibliografie). Zum Kernteam im sogenannten Wuppertaler Projekt gehörten Karl-Heinz Korn, Mechtild Keller und Dagmar Herrmann (ab 1986).

Ein Höhepunkt war die Konzeption einer Wanderausstellung ,,Deutsch-russische Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung (18. Jh.)“, eines der letzten großen Projekte des im Juni 1997 verstorbenen Kopelews. Die Eröffnungsreden in Wuppertal fanden 1996 durch den Ministerpräsidenten Johannes Rau und Lew Kopelew statt (vgl. die Informationen des Kopelew Forums). Karl-Heinz Korn und Rainer Sprung waren für die Reise der erfolgreichen Ausstellung und die Akquisition von Ausstellungsmöglichkeiten verantwortlich. Ausstellungsorte waren Berlin, Halle, Speyer, Gotha, Eutin, Darmstadt, Köln, München, Potsdam, Dresden, Stuttgart, Hamburg u.a.

Nach dem Tod von Lew Kopelew wird ab 1997 Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Eimermacher der Leiter des Wuppertaler Projektes zu den deutsch-russischen Kulturbeziehungen im 20. Jahrhundert mit der Aufbereitung und Umsetzung weiterer Publikationen.

Kontaktnetz: Kopelews Freunde und Literaten

Über die gemeinsame Arbeit mit Lew Kopelew kommt Karl-Heinz auch mit Kopelews Schriftstellerkreis, vielen Fernsehjournalisten wie zum Beispiel mit Gerd Ruge, Klaus Bednarz, später Fritz Pleitgen, Thomas Roth und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens zusammen.

Insbesondere zu dem in Köln und Langenbroich lebenden Heinrich Böll bestand ein reger Austausch mit Kopelew, der schon zu Kopelew’s Moskauer Zeit den Anfang nahm. So kam es in der Kommunikation der beiden Literaten auch zwischen Karl-Heinz Korn und Heinrich Böll sowie dessen Literatenfreunde zu vielen interessanten Begegnungen.

[Ich erinnere mich an eine Reiseschilderung meines Bruders nach Russland, wo er zu einem Treffen mit Literaten, Dichtern und Intellektuellen in eine Datscha eingeladen war. Die Stimmung war exzellent, das viele Reden und Argumentieren machte durstig. So gerne hätte Karl-Heinz ein Glas Wasser bekommen, aber der Gastgeber kam dann freudestrahlend mit einem großen Getränke Tablett in die Runde. Kein erfrischendes Wasser, sondern mit viel Wodka…]

Lew Kopelew verstarb im Juni 1997. Karl-Heinz Korn, den Kopelew nicht nur als außerordentlich begabten Wissenschaftler beschrieb, sondern ihn zuweilen als seinen eigenen Sohn bezeichnete, brachte persönlich die Urne von Lew Kopelew nach Moskau, „wo er unter großer Anteilnahme seiner russischen Freunde und Kollegen sowie der Deutschen Botschaft beigesetzt wurde“ (vgl. Karl-Heinz Korn: Fortgeschriebene Lebensgeschichte 1997-2019, S. 1). Korn wurde in der Folgezeit mit anderen der Nachlassverwalter und Mitbegründer des Kopelew Forums. Er war auch Gründungsmitglied der Heinrich Böll Stiftung.

Karl-Heinz Korn mit Wolf Biermann am 6.3.2003
(Foto: Bernd-Michael Maurer)
Karl-Heinz Korn im Dialog mit dem Schriftsteller Siegfried Lenz während der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte in der Kreissparkasse zu Köln am 29.3.2009 (Foto: Bernd-Michael Maurer)

Karl-Heinz Korn im Gespräch mit dem Journalisten Rupert Neudeck, 2012 in der Redaktion
(Foto: Maria Klassen)
Karl-Heinz Korn mit Dr. h.c. Fritz Pleitgen anlässlich einer Ausstellung in der KSK Köln am Neumarkt, 14.5.2013 (Foto: Bernd-Michael Maurer)

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[Fotografie oben im Header: Bernd-Michael Maurer, 1996; Lew Kopelew und Karl-Heinz Korn in einer Arbeitssitzung in der Neuenhöfer Allee in Köln]